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Der Landminensucher

Schon auf dem Hinweg zu Aurora hatten Kristof und Uwe das weiße Zelt auf dem Feld bemerkt. Sie waren auf unwegsamen Straßen immer tiefer in die Provinz Meta hineingefahren und wollten nun das kleine Anwesen besuchen, auf dem die Kooperativenvorsitzende der regionalen Kakaobauern und- bäuerinnen mit ihrer Familie lebt. Dort werden Minen gesucht erzählte Aurora, für sie etwas alltägliches. Für Kristof und Uwe natürlich höchst spannend.
Nachdem sie die Farm besichtigt hatten, hielten sie auf dem Rückweg bei dem Zelt an und fragten, ob sie ein paar Fragen stellen dürfte.
Der Kommandant der Landminensucher nahm sich Zeit und gab offen Antwort – nachdem sie etwas Schatten fanden.
Seine Einheit aus acht Männern werde gerufen, wenn Bauern und Bäuerinnen in ihren Felder oder im Dschungel verdächtiges Material, wie Drähte etc. entdecken. Das komme häufig vor. Die Konfliktparteien, vor allem die Guerilla, habe hunderttausende Landminen versteckt. Landminen seien eben die ›Waffen der Armen‹, weil sie mit billigen und leicht verfügbaren Materialien hergestellt werden können. Die selbstgebauten Sprengkörper kosten etwa 3500 Pesos – einen Euro – pro Stück, sagt der Kommandant.
Die Arbeit der Minensucher ist hochgefährlich. Über zehntausend Menschen wurden im Krieg Opfer von Landminen, damit steht Kolumbien weltweit auf Platz zwei bei der Anzahl an Landminenopfern. Die Region Meta war von den Konflikten stark betroffen.

Uwe und Kristof machen ein Foto mit dem Kommandant. Uwe wird später bei unserem Cacao de Paz Release sagen, dieses Bild sei eins der wichtigsten Bilder der letzten Kolumbienreise, denn wo Minen gesucht und nicht mehr versteckt werden, da geht es mit dem Frieden voran.

Der Frieden in Kolumbien ist noch zart und der Krieg eben noch fühlbar. Auch wenn die Verträge unterzeichnet sind und die F.A.R.C. ihre Waffen abgegeben hat, steht der politische Prozess noch am Anfang. Über fünfzig Jahre Krieg hinterlassen ihre Spuren und es gibt untereinander noch viele offene Rechnungen.

Von Uwes früheren Reisen nach Kolumbien gibt es noch Fotos, die eine ganz andere Sprache sprechen. Dort ist er zum Beispiel in Begleitung von Militär zu sehen, bewaffnet bis unter die Zähne. Manche Orte in Guerillagebieten konnte er nur mit dem Helikopter und in Begleitung von UN Personal besuchen. Der Kontrast zur Begegnung mit den Landminensuchern ist groß. Bei der Reise dieses Jahr gab es keine brenzligen Situationen oder Momente in denen er Angst hatte, sagt Uwe.